Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen «verschwanden» während der argentinischen Militärdiktatur 30'000 Menschen. Ein weiterer Ex-General, Bernardo Menendez, wurde am Freitag ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilt; drei weitere Militärs wurden freigesprochen.
Samstag, 24. Oktober 2009
Lebenslänglich für General
Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen «verschwanden» während der argentinischen Militärdiktatur 30'000 Menschen. Ein weiterer Ex-General, Bernardo Menendez, wurde am Freitag ebenfalls zu lebenslanger Haft verurteilt; drei weitere Militärs wurden freigesprochen.
Eingestellt von Argentinien - Camilla Landbø
Labels: Politik und Gesellschaft
Mittwoch, 23. September 2009
Flüge in den Tod

Julio Alberto Poch: während der Militärdiktatur und heute.
Buenos Aires - Wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an den "Todesflügen" während Argentiniens Militärdiktatur (1976-1983) ist in Spanien ein Pilot der niederländischen Fluglinie Transavia festgenommen worden. Wie spanische und niederländische Behörden heute mitgeteilt haben, wurde Julio Alberto Poch am Dienstag in Valencia festgenommen. Der Ex-Leutnant der argentinischen Marine soll für den Tod von rund 1000 Menschen mitverantwortlich sein.
Poch sei auf Verlangen der argentinischen Regierung verhaftet worden, sagte ein Sprecher des niederländischen Außenministeriums. Der Ex-Militär habe die argentinische und die niederländische Staatsbürgerschaft. Eine Transavia-Sprecherin bestätigte die Festnahme am Flughafen von Valencia. Der Pilot sei für einen Rückflug in die Niederlande eingeteilt gewesen. "Wir warten nun auf Informationen über die genauen Vorwürfe gegen ihn", sagte die Sprecherin.
Nach Angaben des spanischen Innenministeriums soll Poch während der argentinischen Diktatur als Pilot auf der Luftwaffenbasis der Marine-Technikerschule ESMA gearbeitet haben - die ESMA war während der Militärdiktatur eines der größten Folterzentren und Gefängnisse des Landes. Viele Regimegegner - darunter auch harmlose Studenten - kamen da nicht mehr lebend heraus.
Die Militärjunta hatte einem Bericht der argentinischen Regierung zufolge während des sogenannten „Schmutzigen Krieges“ mehr als 11.000 Regimegegner getötet oder verschwinden lassen. Menschenrechtsgruppen gehen gar von bis zu 30.000 Opfern aus. Eine Vorgehensweise waren die Todesflüge. Dabei wurden die Menschen betäubt aus Flugzeugen oder Hubschraubern in Flüsse oder in den Atlantik geworfen. Bis 2005 musste keiner der Täter Konsequenzen fürchten. Zwei Gesetze schützten Hunderte früherer Militärs vor Bestrafungen. Auf Druck des damaligen Präsidenten Néstor Kirchners hob der Oberste Gerichtshof des Landes beide Gesetze auf.

Poch bei seiner Festnahme in Valencia in Spanien.
Eingestellt von Argentinien - Camilla Landbø
Labels: Politik
Donnerstag, 16. Juli 2009
Schweinegrippe in Argentinien

Mit Mundschutz unterwegs - kein seltenes Bild zurzeit.
Buenos Aires - Damit die Schweinegrippe eingedämmt werden kann, sind in Argentinien verschiedene Maßnahmen getroffen worden: Schüler, Studenten, Staatsangestellte und Schauspieler bleiben seit Tagen zu Hause. Rund 90 Prozent der Grippekranken sollen in Argentinien mit dem Virus A(H1N1) infiziert sein.
Die Zahl der amtlich gemeldeten Schweinegrippe-Todesfälle ist in wenigen Tagen auf 155 erhöht. Wie das Gesundheitsministerium am Donnerstag mitteilte, wurden seit Samstag 61 neue Todesfälle registriert. Damit weist Argentinien nach den USA die höchste Zahl tödlicher Schweinegrippe-Fälle auf. In den USA starben nach amtlichen Angaben bis Sonntag 170 Menschen an dem Virus A (H1N1), Mexiko meldete 124 Todesfälle.
Eingestellt von Argentinien - Camilla Landbø
Labels: Gesellschaft
Freitag, 3. Juli 2009
Wahldebakel für Präsidentenpaar
Bestürzter Néstor Kirchner, Ehemann der Amtsinhaberin.
Derweil jubelten in zahlreichen Wahlfestungen der Opposition Anhänger und gewählte Politiker, die bei jeder Gelegenheit das Wort ergriffen und sich im Siegesrausch badeten. Die Gewinner gegen die Kirchners kommen aus allen Lagern: aus dem eigenen, linken, gemäßigten, konservativen und rechten.
Argentinien wählte vorgestern die Hälfte der 257 Sitze im Abgeordnetenhaus sowie ein Drittel der 72 Senatorensitze. Der Urnengang galt als Stimmungsbarometer, wie es zur Halbzeit um die Regierung von Präsidentin Cristina Kirchner bestellt ist, sowie als „Vorlauf“ der in zwei Jahren anstehenden Präsidentschaftwahlen. Die Regierung erhielt landesweit nach ersten Auszählungen lediglich rund 30 Prozent der Wählerstimmen. Im Abgeordnetenhaus verlor sie somit 22 und im Senat vier Sitze.
„Es ist eine riesige Wahlschlappe“, sagt der politische Analyst Jerónimo Biderman Núñez. Das Präsidentenpaar habe die Wahl zu einem Plebiszit über seine Regierung gemacht und um „Alles oder Nichts“ gespielt. „Die ersten Resultate sagen ganz klar: Kirchner hat die Macht verloren – landesweit.“ Als einer der Gründe für diese Niederlage sieht er den stetigen Konfrontationskurs, den die Kirchner in den letzten sechs Jahren gefahren sind. „Die Leute haben die Nase voll, dass sich das Präsidentenpaar dauernd streitet.“
Die Teilerneuerung des Parlaments hätte gemäß Verfassung am dritten Oktobersonntag stattfinden sollen. Präsidentin Cristina Kirchner liess die Wahlen aber vorverschieben. Wegen der weltweit schwierigen wirtschaftlichen Situation, so damals die Worte der Präsidentin. „Es wäre Selbstmord sich bis zum Oktober in einen Wahlkampf und Streitigkeiten zu verwickeln, während die Welt in Scherben fällt und die Scherben auf uns fallen könnten.“ Im Unrecht war sie nicht, der wirtschaftliche Abschwung hat jetzt auch in Argentinien bemerkbar gemacht: Kleinbetriebe schließen, Arbeitslosigkeit wächst, Löhne sinken. Und besonders hart soll es erst in der zweiten Jahreshälfte werden, eine tiefe Rezession wird erwartet.
Tatsache ist, seit Cristina Kirchners Amtsantritt sind ihre Popularitätswerte von rund 60 Prozent auf rund 30 Prozent gefallen. Begonnen hat dieser Sinkflug vergangenes Jahr, als die Amtsinhaberin mit den Landwirten einen monatelangen Streit um Exportzölle führte. Straßensperren, Streiks, Nahrungsmittelmangel waren Folgen, die die Bevölkerung verärgerte. Die Angst also, bis Oktober noch mehr Zustimmung im Volk zu verlieren, scheint der Hauptgrund für die Vorverlegung der Wahlen gewesen zu sein.
Néstor Kirchner hätte helfen sollen, die Machtbasis der Präsidentin für die fehlenden zwei Jahren ihrer Amtszeit zu zementieren. Das frühere Staatsoberhaupt (2003-2007) und heutiger Chef der peronistischen Gerechtigkeitspartei PJ kandidierte in der Provinz Buenos Aires, in der rund 38 Prozent aller Stimmen vergeben werden, an der Spitze seiner FPV für einen Sitz als Abgeordneter im Parlament. Sein Gegenspieler aber, Francisco de Narváez, stahl ihm – bereits im Vorfeld – die Show.
Der schwerreiche Geschäftsmann und ehemalige Parteigenosse trumpfte in der Provinz mit rund 34,5 Prozent der Stimmen über Néstor Kirchner, der rund 32 Prozent erreichte. De Narváez vom rechten Flügel der Peronisten hatte sich mit der Partei des Unternehmers und Regierungschef der Hauptstadt Buenos Aires, Mauricio Macri, zur „Unión PRO“ zusammengeschlossen. Den Einzug ins Abgeordnetenhaus hat der Präsidentengatte dennoch geschafft.
Die Verlust der Stimmen bei der ärmeren Bevölkerung in der Provinz Buenos Aires ist eine der wichtigsten Gründe für die Niederlage der Regierung, sagt der politische Analytiker Biderman Núñez. Bisher konnte sie mit rund 75 Prozent aus dieser Wählerschaft rechnen, dieses Mal waren es nur rund 50 Prozent. Mit den Zitaten wie „Ich helfe den Armen“ habe es dieses Mal nicht ausgereicht, „da diese den wirtschaftlichen Abschwung auch zu spüren begonnen haben“, so Biderman Núñez.
Nicht einmal mehr in Santa Cruz, die Heimatprovinz von Néstor Kirchner, setzte sich seine Partei durch. In der Stadt Buenos Aires erhielt die neoliberale Partei PRO von Mauricio Macri die meisten Stimmen – seine Vize, Gabriela Michetti, zieht ins Parlament ein. Ein überraschend gutes Resultat erzielte Filmemacher Fernando „Pino“ Solanas. Der Linke, der sich für Verstaatlichungen und Umweltfragen einsetzt und besonders Künstler und Intellektuelle anspricht, belegte den zweiten Platz. In der Agrarprovinz Santa Fe gewann die Liste des ehemaligen Formel-1-Rennfahrers Carlos Reutemann. Der innerparteiliche Feind Kirchners, der „nicht einmal bis zur nächsten Ecke mit Néstor laufen würde“, liebäugelt zudem mit einer Kandidatur für die Peronisten (PJ) bei den Präsidentschaftwahlen 2011.
Wie weiter? Das neu gewählte Parlament tritt erst im Dezember dieses Jahres zusammen. In den folgenden sechs Monaten also regiert die Präsidentin noch mit absoluter Mehrheit weiter. Die Opposition befürchtet, dass Cristina Kirchner viele Gesetzesvorlagen noch durchboxen will. Nachher aber sollte es für die Amtsinhaberin ungemütlich werden. Die Sondervollmachten, die die Regierung seit 2002 hat, um am Parlament vorbei Änderungen im Haushalt vorzunehmen, scheinen auch bereits gefährdet zu sein. Die Opposition hat angekündigt, ihr diese so rasch als möglich mit einem Gesetzesentwurf zu entziehen. „Cristina Kirchner bleibt jetzt also nichts anderes übrig, als ihren Führungsstil zu ändern“, sagte Analyst Biderman Núñez. „Sie muss zu dialogisieren beginnen.“
Erst um zwei Uhr in der Früh auf Montag betrat ein sichtlich bestürzter und abgeschlagener Néstor Kirchner die Bühne im Wahlbunker und richtete erste Worte an seine Anhänger und die Presse. „Wir haben nur um sehr wenige Punkte in der Provinz Buenos Aires verloren“, räumte er mit sehr ernster Miene ein. „Das ist Demokratie, manchmal gewinnt, manchmal verliert man halt.“ Er wies jedoch darauf hin, dass seine Partei in vielen Provinzen dennoch ihr Ziel erreicht oder nur sehr knapp verpasst hätte. „Wir werden mit mehr Lust als je zuvor weiterarbeiten und die Demokratie festigen – ohne Wut, mit Liebe und Freude.“ Kontrastreich: Optimistische Worte mit traurig trockener Stimme.
Eingestellt von Argentinien - Camilla Landbø
Labels: Politik
Sonntag, 17. Mai 2009
Wahlen vor der Tür
Néstor Kirchner kandidiert
Der argentinische Ex-Präsident will ins Parlament.
Eingestellt von Argentinien - Camilla Landbø
Labels: Politik
Freitag, 8. Mai 2009
Schweinegrippe auch in Argentinien

Erster Fall entdeckt.
Buenos Aires - Die Schweinegrippe hat nun auch Argentinien erreicht. Das südamerikanische Land meldete erstmals einen Fall der Virus-krankheit. Das neue H1N1-Virus sei nach Worten von Gesundheitsministerin Graciela Ocaña bei einem Mann festgestellt worden, der schon am 25. April von einem Mexiko-Urlaub zurückgekehrt war. Der Betroffene sei den Umständen entsprechend bei guter Gesundheit und inzwischen nach Hause entlassen worden. Bei keiner der Personen aus seinem näheren Umfeld seien Anzeichen der Krankheit festgestellt worden, fügte die Ministerin hinzu.
Damit sind nun in 26 Ländern Fälle von Schweinegrippe offiziell bestätigt worden. Weltweit sind inzwischen mehr als 2300 Menschen erkrankt.
Eingestellt von Argentinien - Camilla Landbø
Labels: Verschiedenes
Mittwoch, 1. April 2009
Ex-Präsident Alfonsín 82-jährig gestorben

War erster Präsident nach der Militärdiktatur: Raúl Alfonsín.
Buenos Aires — Der frühere argentinische Präsident Raúl Alfonsín ist tot. Nach Angaben seines Arztes erlag er am Dienstagabend im Alter von 82 Jahren einem Krebsleiden. Alfonsín war von 1983 bis 1989 Staatsoberhaupt und gilt als Symbol des friedlichen Übergangs von der Militärdiktatur (1976 bis 1983) zur Demokratie, da es unter ihm die ersten Verfahren gegen führende Mitglieder der Militärjunta wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen gab.
Nach der Niederlage von 1982 im Krieg um die Falkland-Inseln mit Großbritannien wurde Alfonsín von der liberalen Radikalen Bürgerunion (UCR) im Oktober 1983 zum Staatsoberhaupt gewählt. Die unter seiner Regierung eingerichtete Nationale Kommission zum Verschwindenlassen von Personen (CONADEP) legte einen Aufsehen erregenden Bericht mit dem Titel "Nunca más" (Nie wieder) vor, der fast 9000 Fälle dokumentiert. 1985 wurden General Jorge Videla und der frühere Admiral Emilio Massera wegen Mordes und Folter zu lebenslanger Haft verurteilt, andere Juntachefs erhielten mehrjährige Gefängnisstrafen.
Doch in den kommenden beiden Jahren erließ Alfonsín unter dem Druck der Armee das Schlussstrichgesetz und das Gesetz über den Befehlsnotstand - im Volksmund als Amnestiegesetze bezeichnet. Alfonsíns rechtsperonistischer Nachfolger Carlos Menem begnadigte schließlich 1989/90 die verurteilten Militärs. Erst 2005, unter dem linksperonistischen Präsidenten Néstor Kirchner (2003 bis 2007), machte ein Urteil des Obersten Gerichts, wonach Schlusspunkt- und Befehlsgehorsamsgesetz verfassungswidrig sind, den Weg frei für weitere Strafverfahren.
Gegen Ende von Alfonsíns Amtszeit befand sich Argentinien in einer schweren Wirtschaftskrise. Der Hyperinflation in einem Land, das auf die Zahlungsunfähigkeit zusteuerte, wurde der Präsident nicht Herr. Angesichts einer Serie von Generalstreiks übergab Alfonsín seinem gewählten Nachfolger Menem die Amtsgeschäfte im Juli 1989 ein halbes Jahr früher als vorgesehen.
Alfonsín wurde am 12. März 1927 in der Kleinstadt Chascomús in der Provinz Buenos Aires als Sohn eines Kaufmanns geboren. Er studierte Rechtswissenschaften und wurde 1963 erstmals ins Parlament gewählt. Bis 1993 UCR-Vorsitzender, wurde er 2001 als Senator für Buenos Aires gewählt, trat wegen gesundheitlicher Probleme aber ein Jahr später zurück. Eine einflussreiche Figur in der argentinischen Politik blieb er bis zu seinem Tod. Präsidentin Cristina Kirchner erließ zu seinen Ehren eine dreitägige Staatstrauer.
Eingestellt von Argentinien - Camilla Landbø
Labels: Politik